Das Prinzip der Gewaltenteilung ist eine wichtige Grundlage jedes demokratischen Staates. So wird verhindert, dass Bürger sich um ihre Rechte auf der Straße prügeln müssen. So wie der Staat die Rechte seiner Bürger schützt, hat der Lehrer die Aufgabe, seine Schüler vor Übergriffen von Mitschülern zu schützen.
Lukas* (13) kritzelt in Lisas* Abwesenheit in deren Deutschheft herum. Er zeichnet Strichmännchen und -frauchen in eindeutigen Stellungen und schreibt „FICKEN“ dazu.
Wie soll sich Lisa wehren? Sie als Lehrer haben die Aufgabe, ihre Rechte zu schützen. Sie müssen disziplinarische Maßnahmen ergreifen, aber welche? Muss eine Strafe immer sinnvoll sein, oder ist ihre disziplinarische Wirkung manchmal größer, wenn sie sinnlos ist? Sinnvoll wäre es zum Beispiel, wenn Lukas Lisa ein neues Heft kauft und die Inhalte bis zur betreffenden Seite sauber hinein schreibt. Soweit die Schadensregulierung. Wer denkt, dass die Sache damit erledigt ist, denkt zu kurz. In jedem Fall müssen Sie den Vorfall im Klassengespräch zum Thema machen.
Pubertäre Jungen müssen sich bewusst werden, dass Mädchen ihre Jungen-Fantasien eklig finden. Es ist viel erreicht, wenn die Jungen nach einem solchen Gespräch akzeptiert haben, dass sie solche Fantasien nicht in Mädchen-Heften dokumentieren können. Die Mädchen müssen nach dieser Stunde verstanden haben, dass Jungen zwar in dem Alter solche Fantasien haben, aber dass sie Belästigungen nicht hinnehmen müssen.
Trainieren Sie mit ihnen die Reaktion: „Entspann dich, Lukas. Das gibt sich.“
©Karin Brose